Bauern gehen nach Gewinnminus angespannt ins neue Jahr

Die deutschen Bauern gehen nach empfindlichen Gewinneinbußen angespannt ins neue Jahr. Die Ergebnisse sackten im vergangenen Wirtschaftsjahr 2018/19 auf breiter Front ab. Dabei schlugen nun auch Ernteschäden wegen der extremen Dürre 2018 in vielen Regionen ins Kontor. Insgesamt schrumpfte der Gewinn der Betriebe im Schnitt um 18 Prozent auf 54 900 Euro, wie der Bauernverband am Donnerstag in Berlin bilanzierte. Die Branche blickt außerdem mit ziemlichen Sorgen auf die Afrikanische Schweinepest im Nachbarland Polen, die sich der deutschen Grenze genähert hat.


Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach von einer «deutlich verschlechterten wirtschaftlichen Lage» der Landwirtschaft. Auf die Gewinne drückten gestiegene Kosten und niedrigere Erzeugerpreise. Viele Betriebe hielten sich mit Investitionen vorerst zurück. Denn zum Beispiel für Umbauten von Ställen fehle Planungssicherheit.


Besonders groß waren Einbußen etwa bei Milchbauern und Rindermästern, die auch Viehfutter anbauen. Ackerbaubetriebe machten dagegen wieder mehr Gewinn als im schlechten Vorjahr - aber bei großen regionalen Unterschieden. So verbuchten Ackerbauern in Ostdeutschland, die besonders von der Dürre 2018 betroffen waren, Gewinneinbußen - trotz staatlicher Nothilfen. Hieraus seien inzwischen 287 Millionen Euro geflossen. Ausgewertet wurden insgesamt 11 500 Buchführungsabschlüsse von Betrieben für das Ende Juni abgelaufene Wirtschaftsjahr 2018/19.


Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte: «Unsere Bauern müssen von dem, was sie ernten oder erzeugen, gut leben können.» Das Ergebnis von nun 54 900 Euro liege im längerfristigen Vergleich im Durchschnitt, nachdem die beiden Vorjahre überdurchschnittlich gut gelaufen seien. Als Erleichterung für die Risiko-Vorsorge sollten Dürreversicherungen steuerlich günstiger werden, bekräftigte sie.


Bei den Aussichten sind die traditionell vorsichtig kalkulierenden Landwirte zurückhaltend. Überwiegend sei «nicht mit wesentlichen Ergebnis-Verbesserungen zu rechnen», formulierte es der Bauernverband für das laufende Wirtschaftsjahr. Da sind zum einen Einbußen bei der Ernte 2019 in manchen Regionen, in denen es wieder sehr trocken war. Zum anderen ist da die Preisentwicklung, die sich an globalen Märkten orientiert. Für Brotweizen seien nun 163 Euro pro Tonne zu erzielen, sagte Rukwied - nach 188 Euro im Vorjahr. Pro Liter Milch waren im November 33 Cent drin, etwas weniger als ein Jahr zuvor mit 35 Cent.


Finanzielle Lichtblicke gibt es dagegen für Schweinehalter, die nach langer Durststrecke nun wieder bessere Preise von um die zwei Euro pro Kilogramm bekommen - nach etwa 1,37 Euro vor einem Jahr. Ein Grund ist die Afrikanische Schweinepest in Südostasien, die das Angebot verknappt. Zugleich macht die für Menschen ungefährliche Tierseuche den Schweinehaltern aber auch akute Sorgen. Denn in Polen wurde ein totes Wildschwein mit dem Virus rund 40 Kilometer vorn der deutschen Grenze entdeckt.


Die Behörden haben Vorsorgemaßnahmen verstärkt. Auch Betriebe sind auf Schutzvorkehrungen für den nicht erhofften Fall eines Ausbruchs in Deutschland vorbereitet, wie es beim Bauernverband heißt. Das wäre für Schweinehalter «ein Alptraum». Denn beim ersten Nachweis bei einem Wildschwein wäre Deutschlands Status als «seuchenfrei» weg, und es drohten Importstopps für Schweinefleisch etwa in Asien.


Unsicherheit gibt es für viele Bauern auch auf dem politischem Feld. Angesichts von Protesten tausender Landwirte sicherte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) der Branche bei einem «Agrargipfel» gerade mehr Mitsprache bei neuen Umweltschutzvorgaben zu. Dazu gehört, dass der Bauernverband und die Initiative «Land schafft Verbindung», die die Demos organisierte, ein Konzept für eine «Zukunftskommission» vorschlagen sollen. Das soll voraussichtlich bei der Agrarmesse Grüne Woche Ende Januar in Berlin so weit sein.

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